Der totalitäre Nationalsozialismus hat in Deutschland eine lange Tradition, deren gegenwärtige Gestalt nicht nur in Form der demokratisch legitimierten Partei “Alternative für Deutschland” in Erscheinung tritt, sondern sich durch eine Vielzahl netzwerkigartiger Strukturen anhand eigens reproduzierter Typisierung nicht vom Finger weisen lässt. Die Verbindungen reichen bis tief in die modernen Institutionen (Warum hat Luther beim Übersetzen der Bibel mit einem Tintenfass nach der Wand geworfen?) und nehmen derlei reichhaltig mannigfaltige Formen, dass einen das Monster eine Weile beschäftigt hält, bevor es einer kritischen Masse ins Auge fällt. Diese Gefahr ist jetzt wieder da und sie ist gedährlicher denn je, weil ihre Auswirkungen angesichts der drohenden Zangenkrise nicht absehbar sind und Angst kein guter Ratgeber ist. Die Gefahr ist demnach in Verzug, falls der Ruf nach einer wehrhaften Demokratie als Appell wider der Vernunft an eigentlich bereits Gewohntes als lästiges Detail am technologischen Fortschritt missverstanden wird, der wie immer Utopie verspricht und regelmäßig Dystopien (re-)produziert.
Angesichts der Zuspitzung der Verhältnisse stellt dies der Bundesrepublik Deutschland als Ganzes eine klare Herausforderung, wie damit umzugehen sei, wenn einst sicher geglaubte Werte plötzlich fundamental in Frage gestellt werden und die repräsentative Demokratie insofern an ihr Limit kommt, als dass jede natürliche oder juristische Person zwangsweise konstituierende Fragen beantworten können sollte, um der Alternative den Raum zu lassen, die sie verdient hat: In den Annalen der Geschichte, aber nicht in den Parlamenten.
Der Kritik an derlei Umgangsformen sollte ein öffentlicher Platz gegeben werden können. Wo wenn nicht in der Universität kann legitimen Antworten und Rückfragen die Chance gegeben werden gründlich über alle möglichen Konsequenzen der eigenen Entscheidungsfindung zu diskutieren, wo Sie Ihr Kreuz bei einer Wahl setzen würden oder wie Zivilcourage aussehen muss, um Schlimmeres in einer heiklen Situation in die Schranken zu verweisen. Sich normverschiebender totalitärer Maßnahmen zu widersetzen ist Ausdruck eines zivilen Verständnisses über den Wert der Dinge, die diese Menschen verbockmisten und warum es wichtig ist an Veranstaltungen zu partizipieren, bei denen sich keiner alleingelassen fühlen muss, wenn es im echten Leben darum geht Leben zu retten oder Leben Leben sein zu lassen.